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Nach längerer Pause meldet sich das BAMF mit dem Integrationsprojekt des Monats zurück. Das deutschlandweit durchgeführte Projekt „Druckerschwärze – die dreidimensionale Zeitung“ will Jugendliche mit Migrationshintergrund für den Journalismus begeistern.

Schwarz auf weiß können die Jugendlichen ihre eigene Zeitungsseite studieren. Quelle: C. Steppat

An einem sonnigen Montagmorgen im Juni 2016 sitzen in Wangen im Allgäu 16 Jugendliche zwischen 14 und 16 Jahren mit neugierigen Augen vor Jean-Francois Drozak. Mit Begeisterung erzählt er ihnen, was sie diese Woche beim Projekt „Druckerschwärze“ erwartet: Sie werden schreiben, sie werden gestalten, sie werden kreativ arbeiten und am Ende hunderten von Zuschauern und tausenden von Lesern das Erarbeitete präsentieren. Die Jugendlichen aus Wangen, von denen die Mehrzahl einen Migrationshintergrund hat, sind nervös. Sie stehen an diesem Montag vor dem Sprung ins kalte Wasser.

Wie wird Migration in den Medien dargestellt?

Drozak ist Sozialarbeiter und Theaterpädagoge. Er hat sich das Theater und die Zeitung ausgesucht, um junge Menschen mit Migrationshintergrund für Medienarbeit und Journalismus zu begeistern und gleichzeitig für die oft eindimensionale Berichterstattung über Migrantinnen und Migranten zu sensibilisieren. Hier sieht er Handlungsbedarf: „Die Jugendlichen sollen hinterfragen, wie Menschen mit Migrationshintergrund in den Medien dargestellt werden. Häufig spielt die Migrationsgeschichte eines Menschen gar keine Rolle für die Nachricht, wird aber trotzdem medial in den Vordergrund gerückt.“ Gegen diese einseitige Berichterstattung möchte Drozak etwas unternehmen.

Mit dem von ihm initiierten und vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) geförderten Modellprojekt „Druckerschwärze“ des Jugendmigrationsdienstes der Caritas Nürnberg will er Jugendliche aus Zuwandererfamilien erreichen und sie ermutigen, selbst in der Medienbranche Fuß zu fassen. Denn für Drozak ist klar: „Die Art und Weise, wie Zugewanderte und ihre Familien in den Medien dargestellt werden, kann sich nur dann ändern, wenn mehr Menschen mit Migrationshintergrund journalistisch tätig werden. Was wir brauchen, ist mehr Berichterstattung von anstatt über Migranten.“

Dieses Ziel verfolgt das Projekt „Druckerschwärze“ nicht nur in Wangen. An zehn verschiedenen Standorten in Deutschland – unter anderem in Lemgo, Poing, Nürnberg und Kirchberg – finden Projektwochen in Zusammenarbeit mit Verlagen und lokalen Bildungsträgern als Kooperationspartnern vor Ort statt.

Mit nur wenigen Requisiten zieht die Schauspielgruppe das Publikum in ihren Bann.Quelle: SamSon – das digitale Magazin der Nürnberger Nachrichten und der Nürnberger Zeitung

Von der Theorie zur Praxis

Pro Projektwoche beschäftigen sich die Jugendlichen mit jeweils einem Thema. Die Aufgabe an diesem Montag in Wangen lautet: In zwei Gruppen sollen sie sich dem „Wohnungsbau in Wangen“ widmen. Die Schauspiel-Gruppe soll das Thema dabei in Theaterszenen erarbeiten, die bei einer öffentlichen Talkshow in der Stadthalle aufgeführt werden. Die Gruppe der Journalistinnen und Journalisten soll die Thematik so aufarbeiten, dass am Ende vier druckreife Texte samt Bildmaterial in der Schwäbischen Zeitung veröffentlicht werden können. Die Informationen hierfür erhalten die Jugendlichen durch Gespräche mit Experten, die den Stoff für die Zeitungsseite liefern und als Gäste in der szenischen Talkshow mitwirken. Der Clou: Die meisten Expertinnen und Experten haben ebenfalls einen Migrationshintergrund – der darf aber weder im Rahmen der Berichterstattung noch im Schauspiel erwähnt werden. Eine große Aufgabe, wie Clara, Mitglied der Schauspiel-Gruppe, meint: „Es war schwierig, aus den Informationen der Interviewpartnerinnen und -partner etwas zu machen. Doch als langsam etwas entstanden ist, hat es richtig Spaß gemacht.“

Applaus für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Projektwoche samt Talkshowgästen und Moderator Jean-Francois Drozak (rechts). Quelle: C. Steppat

Projektteilnehmer sind begeistert

In Wangen ist der Tag der Aufführung gekommen. Vor der Bühne sitzen mehr als 300 Zuschauerinnen und Zuschauer, auf der Bühne stehen acht nervöse Nachwuchsschauspielerinnen und -schauspieler.  Die Szenen glücken, die Talkgäste plaudern, das Publikum applaudiert. Nach drei gelungenen Aufführungen und der Veröffentlichung einer kompletten Zeitungsseite sind die Jugendlichen sehr zufrieden und bedauern gleichzeitig ein wenig das Ende des Projekts. „Ich hätte gerne nochmal eine Woche weiter gemacht“, sagt Kinneret, aus der Journalisten-Gruppe, und auch Clara ergeht es ähnlich: „Ich bin richtig stolz auf das, was wir geschafft haben. Am Anfang dachte ich nicht, dass man aus den Informationen so etwas Tolles machen kann. Schade, dass es so schnell vorbei war!“

Die nervösen Jugendlichen vom Montag haben während der zurückliegenden Tage im kalten Wasser schwimmen gelernt – so rasch, so sicher, dass sie jetzt nicht nur wissen „Ich kann das.“, sondern dass sie vielleicht auch denken: „Ich will mehr davon. Ich will Journalist werden!“ Dann hätte Drozak sein Ziel für junge Zugewanderte erreicht. Denn nichts weniger wünscht er sich von ihnen als einen Sturm auf die Redaktionen.

Autorin: Carolin Steppat

Quelle: Website Bundesamt für Migration – Integrationsprojekt des Monats September vom 20.09.2016

Link zum Integrationsprojekt des Monats September

projekt-des_monats_projektsteckbrief_2016-09-september