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Göttingen. Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) und die Ortsbürgermeisterin des Ortsteils Grone, Birgit Sterr (SPD), haben bei einer Info-Veranstaltung um Hilfe und Unterstützung von Ehrenamtlichen bei der Betreuung von Flüchtlingen in zwei Großunterkünften in Grone geworben.

In der ehemaligen C+C-Halle am Anna-Vandenhoek-Ring auf der Siekhöhe sollen bis zu 400 Schutzsuchende untergebracht werden, in einer ehemaligen Lager- und Fabrikationshalle an der Gustav-Bielefeld-Straße maximal 80 Personen.

Köhler sagte vor etwa 70 Zuhörern klipp und klar: „Ohne Freiwillige und Ehrenamt würden wir das alleine nicht schaffen.“ Köhler kündigte an, dass die Flüchtlinge mindestens sechs Monate in den Unterkünften bleiben werden.

Nach Einschätzung von Ortsbürgermeisterin Sterr ist die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung nach wie vor groß, aber sie hat auch Sorgen. Sie schloss nicht aus, dass Menschen auf „dumme Gedanken kommen“, wenn sie monatelang in solchen Unterkünften leben, bevor sie erfahren, was aus ihnen wird.

Frank Beckmann, der für das Deutsche Rote Kreuz (DRK) als Betreiber der Unterkunft sprach, sagte, nach den bisherigen Erfahrungen in der Flüchtlingsarbeit sei das Gefährdungspotential in Fußballstadien größer als in den Unterkünften. Gleichwohl könne es auf Grund der Enge zwischenmenschliche Probleme geben. Um sie zu minimieren, werde versucht, unter anderem mit ersten Integrationsmaßnahmen wie Deutschkursen, den Tagesablauf zu strukturieren. Unterstützung bekam er dabei von Arnold von Zepelin. Seine Johanniter sind für die zweite Unterkunft zuständig.

Um die Sicherheit „nach innen und außen“ zu gewährleisten wird mit allen Beteiligten und der Polizei ein Sicherheitskonzept erarbeitet.

Der für Schule und Jugend zuständige Stadtrat Siegfried Lieske kündigte an, dass die schulpflichtigen Kinder auf die Schulen der Stadt verteilt werden. „Als Maß gilt, dass nicht mehr als drei Flüchtlingskinder in jeder Klasse unterrichtet werden.“ Für die Kindergartenkinder werde eine Betreuung vor Ort organisiert.

Ortsbürgermeisterin Sterr hatte zuvor darauf hingewiesen, dass alle Kitas in Grone voll seien und Wartelisten geführt würden.

Keine ideale Lage

Einig war sich die Versammlung, dass die Lage der Unterkünfte nicht ideal sei. So fehle an der Siekhöhe die Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr, und die Gustav-Bielefeld-Straße befinde sich in einem Industriegebiet. So kritisierte der Vertreter eines Betriebs, dass der vorgeschriebene Abstand von 500 Meter zu Wohnbauten nicht eingehalten werde.

Hintergrund: Stadt wendet für jeden Flüchtling mehr als 17.000 Euro jährlich auf

Jeder Flüchtling kostet der Stadt zwischen 17.000 und 18.000 Euro jährlich. Vom Land werden jedoch nur 10.000 Euro erstattet. Das wurde bei der Info-Veranstaltung im Göttinger Stadtteil Grone bekannt.

Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler schloss nicht aus, dass Göttingen Ende des Jahres bis zu 4000 Flüchtlinge versorgen muss.

Aus der Versammlung heraus wurde die Befürchtung geäußert, dass die Kosten der Flüchtlingsbetreuung zu Lasten der einheimischen Bevölkerung gingen. Köhler erwiderte, in diesem Jahr werde es keine Einschränkungen für die Bürger geben. Die Frage sei aber, wie lange die Stadt das aushalte.

Quelle: HNA vom 29.01.2016 Link zum HNA-Artikel vom 29.01.2016