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Die Initiative „Find Friends – Find Work“ vermittelt Kontakte zwischen Deutschen und Flüchtlingen, die den gleichen Beruf ausüben. Die Hoffnung ist, dass daraus nicht nur Arbeitsmöglichkeiten für die Flüchtlinge, sondern auch Freundschaften entstehen. Bei den beiden Medizinerinnen Antje Lewien und Nagham Aljerk hat es funktioniert.

Seit einem halben Jahr bringt die Volkswirtin und Kulturmanagerin Annabel Konermann nun schon Menschen des gleichen Berufs zusammen. Angefangen hat es mit Berufsberatungen in Erstaufnahmeeinrichtungen und Kontaktvermittlungen im eigenen Freundeskreis. „An die 40 Leute habe ich bislang vermittelt“, erzählt Konermann. Die Anfrage sei besonders auf der Seite der Flüchtlinge groß. „Alle wünschen sich nichts sehnlicher als einen deutschen Freund“, meint Konermann. „Manchmal bleibt der Kontakt bestehen. Wenn sich dann was entwickelt, ein Praktikum oder ein kleiner Job, dann ist das großartig.“

Über Konermanns Initiative lernten sich auch die deutsche Assistenzärztin Antje Lewien und die syrische Medizinerin Nagham Aljerk kennen. Die 24-jährige Aljerk studierte Medizin in Damaskus. „Wir hatten oft kein Strom und kein Wasser“, erzählt sie. „Auf dem Weg zur Uni war immer sehr viel Militär unterwegs, und oft gab es Explosionen direkt vor dem Krankenhaus.“ Sie zog zurück zu ihrer Familie nach Aleppo. „Das war ein Desaster“, sagt Aljerk. Sie hatte ihr Studium gerade beendet, und ihrem Bruder drohte mit dem 18. Geburtstag die Einberufung in die Armee. Der Entschluss, zu fliehen, fiel schnell. Zusammen mit ihren beiden jüngeren Brüdern verließ Aljerk im Herbst 2015 ihre Heimat. Die Eltern blieben gezwungenermaßen zurück. „Die Flucht ist sehr teuer, wir hatten nicht genug Geld für alle fünf“, erklärt Aljerk.

Mittlerweile wohnt die 24-Jährige mit ihren Brüdern in einer Wohnung in Göttingen. Lewien, die schon länger nach Wegen gesucht hat, sich in der Flüchtlingshilfe zu engagieren, lernte sie im Januar kennen. „Es ist sehr wichtig, einen deutschen Freund zu haben, der im gleichen Alter ist“, findet Aljerk. Lewien organisierte der anstrebenden Ärztin eine Stelle als Hospitantin im Krankenhaus. Die beiden besuchen sich gegenseitig, Lewien hat Aljerks Brüder kennen gelernt. „Wir haben sehr viel gemeinsam, einfach dadurch, dass wir den gleichen Beruf erlernt und ähnliche Erfahrungen gemacht haben“, erzählt die 31-Jährige. Vom kulturellen Austausch profitieren beide. „Wenn sie erst einmal perfekt Deutsch spricht, kann sie mir Arabisch beibringen“, lacht Lewien.

„Ich habe sehr viel Glück gehabt“, findet Aljerk.

Annabel Konermanns Initiative ist im Internet unter http://www.find-friends-find-work.de/ zu finden.

Quelle: Artikel im Göttinger Tageblatt vom 25.04.2016 Link zum GT Artikel vom 25.04.2016