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Kinder zu erziehen ist keine einfache Angelegenheit. Aber wie gelingt Kindererziehung? Vor welchen Herausforderungen steht die Erziehung von Kindern bei Familien, die in einem anderen Land, in einer anderen Kultur leben?

Einige Eltern in Deutschland halten einen Klaps auf den Hintern immer noch für ein geeignetes Mittel der Kindererziehung. Aber in Deutschland ist jegliche körperliche oder psychische Bestrafung gesetzlich untersagt. Auch der „Klaps auf den Po“.

Familien darüber aufzuklären ist das erklärte Ziel des Vereins Arbeitskreis Neue Erziehung e. V. (ANE). ANE hat zu den Themen „Gewaltfreie Erziehung“ und „Häusliche Gewalt“ zwei Erklärfilme in fünf Sprachen produziert (Deutsch, Arabisch, Englisch, Französisch und Kurdisch). Bei einer Veranstaltung im April wurden diese Filme von Müttern und Großmüttern der arabischen Gemeinde in Berlin bewertet. In familiärer Atmosphäre stellte der Verein das vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) geförderte Projekt „Gewaltfreie Erziehung bei Eltern stärken“ und seine Ziele vor. Einige der anwesenden Frauen kannten den Verein bereits durch verschiedene Aktivitäten und Projekte, die ANE in der arabischen Gemeinschaft durchgeführt hat. Die Präsentation beider Filme traf bei den Anwesenden auf großes Interesse.

ie Teilnehmerinnen waren beeindruckt von den Filmen und der Darstellung der Situation vieler Familien. Obwohl alle Gewalt jeglicher Art ablehnen, äußerten sich einige der Frauen, dass sie nicht wüssten, wie man das umsetzen solle. Die Filme sollen zeigen, wie Eltern ihr eigenes Verhalten ändern können.

Streit zerstört die Seele der Kinder

Streit zwischen Vater und Mutter ist ein wichtiges Thema. Man muss solche Filme oder auch Projekte den Eltern zeigen, weil das das Interesse der Eltern weckt und zeigt, welche Wirkung Familienstreit auf die Kinder hat, wenn sie anwesend sind„, sagt eine der Teilnehmerinnen und bezog sich dabei auf die ersten Szenen des zweiten Films, die die Angst der Kinder während eines Elternstreits zeigt. Die Eltern schreien sich an und die Kinder hören alles mit, das kleine Kind krümmt sich, hält sich die Ohren zu und der große Bruder schaut sehr besorgt. Eine Szene, die in vielen Familien vorkommt, wie eine Teilnehmerin sagte und sie fügte hinzu: „Wir glauben, die Kinder hören nicht, was hinter verschlossenen Türen passiert und glauben, sie wissen nicht, was los ist.

Bei der Diskussion zeigten alle Teilnehmerinnen Verständnis für die Aussagen der beiden Sprecher im Film. Sie stimmten überein, dass gewaltfreie Kindererziehung nur auf einer gesetzliche Grundlage gelingen kann.

Wir nehmen das sehr positiv wahr. Wir sind auch der Überzeugung, dass gewaltfreie Erziehung ein Leitbild der Gesellschaft sein sollte, vor allem der in Deutschland neu angekommenen Eltern„, sagte eine andere Teilnehmerin und fügte hinzu, dass die meisten Eltern ihre Kinder gern ohne Gewalt erziehen möchten, aber ihnen nicht bewusst sei, dass bereits eine Ohrfeige oder ein Klaps auf den Po die Grenze gewaltfreier Erziehung überschreitet.

Kinder haben auch ihre Meinung

Beide Filme zeigen, was moderne Erziehung bedeutet, nämlich mit seinen Kindern reden, mehr Zeit mit ihnen verbringen und versuchen, ihnen zuzuhören. Kinder sollen ihr eigenes Selbstwertgefühl entwickeln und spüren, dass ihre Eltern sie ernst nehmen und mit ihnen über alle Angelegenheiten sprechen, die sie betreffen. Kinder sollen ein Mitspracherecht haben. Die Filme appellieren an die Eltern, mit ihren Kindern viel mehr zu diskutieren.

Wir wollen, dass unsere Kinder ihre Meinung gegenüber anderen vertreten, aber manchmal geben wir ihnen keine Möglichkeit, sich uns Eltern gegenüber zu äußern bzw. uns zu widersprechen„, meinte Iman Alhussein, die auch die Rolle einer Mutter im Film spielt.

Den Teilnehmerinnen ist durch die Filme auch klar geworden, dass eine Diskussion mit den Kindern über bestimmte Entscheidungen nicht bedeutet, dass man ihnen alle Entscheidungsrechte überlässt. Ebenso wurde ihnen bewusst, dass Kinder Freiheiten brauchen und ihre eigenen Entscheidungen treffen müssen – und das heißt manchmal eben auch, den Eltern nicht gehorchen. Schließlich hat die Diskussion bei den teilnehmenden Frauen die Erkenntnis erbracht, dass es für Kinder zwar klare Regeln geben, man sich aber auch mehr Zeit für Gespräche nehmen sollte.

Text: Zahi Alawi – BAMF

Original-Artikel vom  30.04.2019 auf der Website des BAMF ( Link zum Original-Artikel)02